✎ Anmerkung der Redaktion

Chinesische Automobilunternehmen treten in eine neue Phase von „Export 2.0“ ein, mit diversifizierten Auslandsinvestitionen, die von Produktexporten zu Ökosystem-Aufbau übergehen. Einige Unternehmen zeigen bereits Ansätze globaler Markenqualitäten. Doch die Fähigkeit zur globalen Erzählung und Risikoresistenz muss weiter gestärkt werden. Technologische Innovation bleibt der Kernantrieb.

Diese Titelgeschichte umfasst sieben Teile; heute erscheint Teil 4.

Von der Aufholjagd zur Führungsposition: BYDs Übersee-Erfolg

In den letzten fünf Jahren hat BYD seine Übersee-Verkäufe rasant gesteigert. 2025 erreichten die Auslandsverkäufe von Pkw und Pick-ups 1.0496 Millionen Einheiten, ein Anstieg von 145 % gegenüber dem Vorjahr. Innerhalb von fünf Jahren haben sich die Auslandsverkäufe fast ver21facht. Von anfänglichem Produktexport bis zur Koordination von neun Auslandsfabriken, von dominanter Stellung in Südostasien bis zum Überholen in europäischen Automobilnationen – BYD hat den Wandel vollzogen.

Bereits 2023 sagte BYD-Vorsitzender Wang Chuanfu: „BYDs Expansion ins Ausland ist kein einfacher Produktexport, sondern Export der gesamten Industriekette, Technologie und Marke. Wir wollen chinesische intelligente Fertigung global verankern und New Energy Vehicles die globale Mobilität verändern lassen.“

Fünf Jahre Durchbruch: BYDs harte Erfolgsbilanz

2021 lag BYDs Auslandsabsatz bei nur 50.000 Einheiten. 2025 stieg die Zahl auf 1.0496 Millionen, mit einem monatlichen Rekord von 131.600 Einheiten. Der Exportanteil erreichte 22,8 % – jedes vierte verkaufte BYD-Fahrzeug geht ins Ausland.

BYD ist in 119 Ländern und Regionen präsent. Drei Kernmärkte (Europa, Südostasien, Lateinamerika) wachsen parallel, unterstützt durch den Nahen Osten, Zentralasien und Afrika.

In Europa verkaufte BYD 2025 187.700 Einheiten (+268,6 %), in Deutschland 23.300 (+700 %), in Großbritannien 51.400 (+576,9 %). Das Modell Seal U führte die europäische Plug-in-Hybrid-Rangliste mit 72.700 Einheiten an.

In Südostasien ist der Yuan PLUS 18 Monate in Folge der meistverkaufte reine Elektro-Pkw in Thailand. Die Fabrik in Thailand hat eine Jahreskapazität von 150.000 Einheiten mit einem Lokalisierungsgrad von 70 %. In Brasilien hält BYD 92,16 % des reinen Elektromarktes, Hybridmodelle erreichen 35,8 % Marktanteil.

Wichtiger: BYD wandelt sich vom Produktexport zum Industrieexport. Derzeit sind neun Auslandsfabriken in Betrieb oder im Bau: in Usbekistan, Thailand, Brasilien, Ungarn, Indonesien u.a. Diese Fabriken ermöglichen „nahe Produktion, nahe Lieferung“ und senken Logistik- und Zollkosten.

Zudem gelingt BYD der Marken-Höhenflug: Denza und Yangwang werden in Europa und im Nahen Osten eingeführt. Technologisch lizenziert BYD seine e-Plattform 3.0 an Toyota und verkauft Blade-Batterie-Technologie an Hyundai. BYD wird zum Standard-Setzer in der globalen EV-Industrie.

BYD betreibt eine Flotte von 8 Autotransportern mit einer Jahreskapazität von über 1 Million Fahrzeugen, senkt die Logistikkosten um 40 %. Zusammen mit Shell baut BYD 120 Schnellladestationen entlang der EU-Autobahnen.

Fünf Kernwettbewerbsvorteile

1. Vollständige Eigenentwicklung: unersetzliche Stärke

BYD investierte in fünf Jahren über 220 Milliarden Yuan in Forschung und Entwicklung. Die Blade-Batterie bietet Sicherheit ohne offene Flammen, bestand strenge Tests weltweit. Die Doppelantriebsstrategie (DM-i und rein elektrisch) deckt den globalen Markt ab: DM-i löst Ladeinfrastrukturprobleme in Schwellenländern, während die rein elektrische Plattform High-End-Modelle wie Seal und Han EV nach Europa bringt. Die intelligente DiPilot- und DiLink-Systeme sind an lokale Anforderungen angepasst. Eigenentwickelte Chips sichern die Lieferkette.

2. Autonome Kontrolle der Lieferkette: Kosten- und Resilienzvorteile

BYD besitzt eine vertikale Integration von Rohstoffen (Nickel in Indonesien, Lithium in Brasilien) über Kernkomponenten (Batterie, Motor, Steuerung) bis zur Fertigung und Logistik. Die „Drei-Elektro-Systeme“ sind 30 % günstiger als europäische Wettbewerber. Flexible Fertigung in Inlands- und Auslandsfabriken senkt Risiken.

3. Lokalisierung: Überwindung von „Bodenlosigkeit“

BYD passt Produkte an lokale Märkte an: in Europa optimierte Fahrwerke und Sprachsysteme, in Südostasien verstärkte Geländegängigkeit und DMi-Modelle, in Brasilien Hybridsysteme für Ethanol-Kraftstoff. Lokale Mitarbeiterquote beträgt durchschnittlich über 80 %, in Thailand 92 %. Kulturelle Integration und CSR-Aktivitäten machen BYD zum „verantwortungsvollen lokalen Bürger“.

4. Langfristige strategische Ausrichtung

Wang Chuanfu betont: „Unsere Globalisierung strebt nicht Geschwindigkeit, sondern Qualität an.“ BYD folgt einer gestaffelten Strategie: zuerst Schwellenländer, dann reife Märkte; zuerst Nutzfahrzeuge (Elektrobusse), dann Pkw; zuerst Produktexport, dann Industrieaufbau. Risikomanagement umfasst präventive Maßnahmen wie den Bau des Ungarn-Werks als Reaktion auf EU-Zölle.

5. Politikunterstützung und Marktchancen

Chinas „14. Fünfjahresplan“ fördert den Export von New Energy Vehicles durch Steuervorteile und Handelsabkommen. Global stieg die EV-Durchdringung von 10 % (2021) auf 30 % (2025). Die EU-Umweltpolitik und nationale Subventionen schaffen günstige Bedingungen.

Fazit

BYD hat in fünf Jahren den Aufstieg vom Verfolger zum Marktführer geschafft – basierend auf technologischer Innovation, Lieferkettenintegration, Lokalisierung und strategischer Geduld. Die nächsten fünf Jahre könnten den Übergang zur „Industrie-Export-Phase“ bringen. Ob BYD den Schritt zum globalen Automobilführer schafft, bleibt abzuwarten.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst in der März-Ausgabe 2026 von „Auto Horizon“ in der Rubrik „Titelgeschichte“.