Mit einer weiblichen Perspektive für warmherzige Autonachrichten – die Münchener Automobilausstellung 2023 war die erste große internationale Messe nach dem Ende der Pandemie und zog ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit auf sich. Ein wesentlicher Grund dafür war die starke Beteiligung chinesischer Autohersteller.

Während europäische und amerikanische Hersteller wie BMW, Mercedes, Audi, Volkswagen und Ford vertreten waren, fehlten japanische und koreanische Marken fast vollständig. Stattdessen präsentierten sich zahlreiche chinesische Unternehmen, darunter BYD, Avatr, Leapmotor, XPeng, Seres, MG und die Dongfeng-Gruppe sowie Zulieferer wie EVE Energy, Horizon Robotics, ECARX und Qingzhou Zhihang.

Chinesische Medien kommentierten ironisch: „Deutschland stellt die Bühne, China spielt das Stück.“ US-Medien berichteten, dass die Messe nicht mehr die Heimat deutscher Hersteller sei, sondern eine „Persönlichkeitsshow“ chinesischer Autobauer. Die europäische Presse warnte: „BYD expandiert gezielt in Schlüsselmärkte und baut ein Händlernetz auf – eine ernsthafte Bedrohung für europäische Marken.“

Bundeskanzler Olaf Scholz würdigte in seiner Eröffnungsrede die Erfolge chinesischer Hersteller bei der Elektrifizierung, ermutigte jedoch deutsche Unternehmen, sich durch den Wettbewerb inspirieren zu lassen, statt verängstigt zu sein.

Unter den Ausstellern zog BYD die meiste Aufmerksamkeit auf sich – nicht nur wegen des größten Messestands, sondern auch wegen der Präsentation von sechs neuen Energie-Fahrzeugen: Seal, Song PLUS EV Champion Edition, Yuan PLUS (international als BYD ATTO 3 bekannt), Dolphin, Han und Denza D9. BYD ist der erste Hersteller, der vollständig auf New Energy setzt, und globaler Marktführer bei Elektroautos. 2022 verkaufte BYD 1.868.500 Fahrzeuge und übertraf damit deutlich Tesla.

Laut MarkLines übertraf BYD im ersten Halbjahr 2023 mit 1.255.600 verkauften Neuwagen global Mercedes und BMW und schaffte es erstmals unter die „Top 10 der globalen Automobilhersteller“. Dies war ein doppelter Rekord: Erstmals ein chinesischer Hersteller in den Top 10, und erstmals übertraf ein chinesischer Hersteller die Verkaufszahlen von Joint-Venture-Marken.

Neben den steigenden Verkaufszahlen verbesserte sich auch die Rentabilität von BYD. Im ersten Halbjahr 2023 erzielte BYD einen Umsatz von 260,12 Milliarden Yuan (plus 72,72 %) und einen Nettogewinn von 10,954 Milliarden Yuan (plus 204,68 %).

Hinter dem Gewinn steht BYDs beeindruckende Kostenkontrolle. Am Tag der Messe veröffentlichte UBS einen Teardown-Bericht des BYD Seal, der zeigte, dass etwa 75 % der Teile selbst produziert werden. Die Produktionskosten des Seal liegen 15 % unter denen des Tesla Model 3 und rund 35 % unter denen eines vergleichbaren Modells von Volkswagen in Europa.

Diese Kostenführerschaft spiegelt BYDs Stärke in der Elektrifizierungstechnologie und vertikalen Integration wider. Renault-CEO Luca de Meo bestätigte: „Chinesische Autos sind in der Wertschöpfungskette der E-Mobilität eindeutig sehr wettbewerbsfähig.“

Am 6. September brachte BYD den Seal DM-i auf den Markt, dessen Einstiegspreis unter 170.000 Yuan liegt – ein Preiskampf, der als „König der Rabatte“ bezeichnet wird und Joint-Venture-Mittelklasse-Modelle bedroht. In Übersee hingegen ist BYD preislich mit den deutschen Premiummarken vergleichbar. Der BYD Seal (reine Elektroversion) kostet in China 189.800 bis 279.800 Yuan, während die beiden in Deutschland angebotenen Versionen 50.990 Euro (ca. 400.000 Yuan) und 44.900 Euro (ca. 350.000 Yuan) kosten.

Diese Preisunterschiede zeigen die rasche Entwicklung der chinesischen E-Mobilität und die Verzögerung der europäischen Elektrifizierung. „BYD hat in 15 europäische Länder expandiert und über 140 Geschäfte in Partnerschaft mit lokalen Händlern eröffnet“, sagte Shu Youxing, Geschäftsführer der europäischen Vertriebsabteilung von BYD. „Europa ist ein wichtiger Markt, und wir werden unser Modellangebot kontinuierlich erweitern, um die vielfältigen Bedürfnisse der Verbraucher zu erfüllen.“

Europa, insbesondere Deutschland, gilt als Hochburg der Automobilindustrie mit Marken wie BMW, Mercedes, Audi, Porsche, Rolls-Royce, Lamborghini und Bugatti. Der Markt ist gesättigt und gilt als schwer zu erobern. Der Vorstoß nach Europa ist ein entscheidender Schritt in BYDs Internationalisierungsstrategie und hat weitreichende Bedeutung für die globale Expansion chinesischer Marken.

Mit Stand 2023 ist BYD in 15 europäischen Ländern präsent und hat 145 Geschäfte eröffnet. Die Expansion folgt dem inländischen Erfolgskurs: 2021 erreichte BYD in China über 740.000 Verkäufe; im Mai 2021 startete der Export von Personenkraftwagen mit Norwegen als erstem Markt. 2022 stiegen die Verkäufe auf 1.868.000 Einheiten, und im Februar begann der Vorverkauf des Yuan PLUS in Australien. Im Juli kündigte BYD den Eintritt in den japanischen Markt an, im September folgte die Europa-Einführung von Han EV, Tang EV und Yuan PLUS. Im November kamen Song PLUS DM-i und Yuan PLUS in Brasilien auf den Markt.

2023 beschleunigte BYD die Expansion weiter: Im März fanden Markenpräsentationen in Jordanien, Usbekistan und Madrid statt, und der Grundstein für ein Produktionswerk in Thailand wurde gelegt. BYD setzt auf zwei Strategien: Produktdiversifizierung (Marken BYD, Denza, Yangwang, Fangchengbao) und Internationalisierung. „In nur einem Jahr haben wir Verträge mit mehreren lokalen Händlern in Europa geschlossen, darunter die Louwman Group in den Niederlanden, RSA in Norwegen und die Hedin Group in Schweden“, sagte Li Yunfei, General Manager für Marke und PR bei BYD. „Wir haben 145 Geschäfte in 15 europäischen Ländern eröffnet, darunter Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich, Niederlande und Norwegen.“

In Deutschland arbeitet BYD mit sieben Händlern zusammen und ist in 17 Städten wie Frankfurt, Hamburg und Köln vertreten. Die Expansion erfolgt auf drei Säulen: Produkte (fünf Modelle in Europa erhältlich), Partnerschaften mit lokalen Händlern und Technologieaustausch (Batterien, Motoren, Steuerungen) sowie Investitionen in lokale Fertigung und Personal.

Im Oktober 2022 unterzeichnete BYD einen Vertrag mit SIXT: Der Autovermieter wird in den nächsten sechs Jahren mindestens 100.000 E-Fahrzeuge von BYD kaufen. BYD baut außerdem lokale Teams auf und nutzt seine 20-jährige Erfahrung in Überseemärkten.

Die EU-Erweiterung ist Teil von BYDs Ziel, ein globales Unternehmen zu werden. Derzeit ist BYD in 54 Ländern und Regionen vertreten, der monatliche Export liegt bei über 10.000 Einheiten. Im August 2023 überschritt der Export 25.000 Fahrzeuge. Analysten prognostizieren für 2023 einen Export von 250.000 Fahrzeugen.

Wie BYD-CEO Wang Chuanfu auf der Halbjahrespressekonferenz betonte: „Die Branche bewegt sich in einem ‚Fast-Essen-Langsam‘-Zeitalter. Unternehmen, die in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht durchstarten, haben keine Chance. Entscheidend sind Kernkompetenzen, gute strategische Ausrichtung und schnelle Entscheidungsmechanismen.“ BYDs Internationalisierungsstrategie ist Ausdruck dieser Weitsicht. Mit neuen Produkten, Kooperationen und Fabrikplänen zeigt BYD den Willen, weltweit führend zu werden. Nach dem Einzug in die globalen Top 10 bleibt abzuwarten, wann BYD auch die Top 3 erreicht.