Produktionsstart in Brasilien: Changan als Symbol für die Expansion

Kürzlich lief das erste Fahrzeug aus dem brasilianischen Werk von Changan vom Band – Brasiliens Präsident Lula war persönlich vor Ort und lobte die Investition. Dies markiert einen Meilenstein für chinesische Autohersteller, die ihre globale Präsenz durch lokale Fertigung ausbauen. Vor dem Hintergrund des globalen Wandels der Automobilindustrie und des beschleunigten Exports chinesischer Fahrzeuge bilden die fünf großen Hersteller Chery, Great Wall, BYD, Geely und Changan die Kernriege des chinesischen Autoexports. Mit unterschiedlichen Strategien und Produktlinien liefern sie sich einen intensiven Wettbewerb auf den Überseemärkten. Die Wettbewerbslandschaft zwischen Verbrennern und New-Energy-Fahrzeugen (NEV) wird immer klarer – ein globaler Kampf um Marken, Technologien und Marktanteile ist voll entbrannt.

Klare Verteilung der Absatzzahlen und unterschiedliche Schwerpunkte

Chery liegt mit 1,344 Millionen exportierten Fahrzeugen im Jahr 2025 an der Spitze – fast die Hälfte des Gesamtabsatzes. Mit 23 Jahren Erfahrung im Überseegeschäft hat Chery acht Produktionsbasen in Schwellenländern wie Südostasien, dem Nahen Osten, Südamerika und der GUS aufgebaut. Die Stärke liegt in erschwinglichen Verbrennern mit ausgereifter Motorentechnik und lokaler Anpassung.

BYD folgt mit über 1,04 Millionen exportierten Fahrzeugen (+140 % im Jahresvergleich) und ist der am schnellsten wachsende Hersteller. BYD setzt fast vollständig auf NEV – über 90 % der Exporte sind reine Elektro- oder Plug-in-Hybride. Mit Technologien wie der Blade-Batterie und dem DM-i-Hybridsystem erobert BYD Märkte in Europa, Südostasien und Lateinamerika und baut eine technologische Mauer auf.

Great Wall, Geely und Changan bilden das zweite Glied. Great Wall exportierte 2025 rund 506.000 Fahrzeuge, vor allem SUVs und Geländewagen der Marken Haval und Tank, die in Russland und Europa beliebt sind. Geely erreichte 420.000 Exporte und nutzt die Marken Volvo und Proton für eine asset-leichte Expansion in Südostasien und Europa. Changan verkaufte 637.000 Fahrzeuge im Ausland (+19 %) – ein Fünftel des Gesamtabsatzes. Das neue Werk in Brasilien signalisiert den Wandel vom reinen Produktexport hin zur industriellen Lokalisierung.

Verbrenner vs. New Energy: Unterschiedliche Wettbewerbsdynamiken

Im Verbrennersegment dominieren die traditionsreichen Hersteller. Chery und Great Wall punkten mit zuverlässigen Motoren (Cherys 1.6T/2.0T Blue Core) und einem dichten Servicenetz in Märkten, die auf Verbrenner angewiesen sind. Auch Changan überzeugt mit stabiler Qualität und lokal angepassten Modellen – das neue Werk in Brasilien produziert sogar Bi-Fuel-Fahrzeuge für den lokalen Markt.

Im NEV-Bereich ist BYD der unangefochtene Spitzenreiter. Mit eigener Batterie-, Motor- und Steuerungstechnologie sind Modelle wie Dolphin, ATTO 3 und Song PLUS in Europa und Südostasien Bestseller. Changan beschleunigt mit den Premiummarken Shenlan und Avatr die Elektrifizierung. Geely nutzt die E-Technologie von Polestar und Volvo, während Great Wall mit Hybrid- und E-SUVs aufholt. NEV-Exporte wachsen in Märkten mit günstigen politischen Rahmenbedingungen und guter Ladeinfrastruktur deutlich schneller als Verbrenner.

Lokalisierung ist der Schlüssel zum Erfolg

Reiner Produktexport reicht nicht mehr. Das brasilianische Werk von Changan ist ein Paradebeispiel: Entwicklung von Bi-Fuel-Motoren für den lokalen Ethanol-Mix, Anpassung an europäische Umweltauflagen oder tropisches Klima in Südostasien. Gleichzeitig müssen Arbeitsplätze geschaffen und Lieferketten lokal aufgebaut werden, um Handelsbarrieren zu umgehen.

Zweitens ist eine duale Strategie nötig: In Schwellenländern weiter auf preiswerte und zuverlässige Verbrenner setzen, in Industrieländern auf hochwertige NEV mit technologischer Führung. Chery und Great Wall müssen ihre NEV-Offensive verstärken, BYD kann mit Hybriden zusätzliche Marktsegmente abdecken.

Drittens ist ein globales System aus Forschung, Produktion, Vertrieb und After-Sales erforderlich – ähnlich dem „Sechs Länder, zehn Standorte“-Konzept von Changan. Nur so kann das Billigimage abgelegt und eine starke Markenwahrnehmung aufgebaut werden.

Derzeit führt Chery bei Verbrennern und Gesamtexport, BYD dominiert bei NEV, Changan und Geely haben eigene Stärken. Chinesische Autohersteller agieren nicht mehr allein, sondern als kollektive Kraft. Wer die Lokalisierung meistert, den Markt versteht und technologische Vorteile hält, wird sich in der globalen Arena durchsetzen.